Umgekehrte Alchemie

Die Alchemie ist als eine Wissenschaftsform bekannt, die sich im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts von der Chemie und Pharmakologie abwandte. Sie zählt zu den Naturphilosophien. Und es wäre falsch zu glauben, dass die Alchemisten ausschließlich damit beschäftigt waren, aus unedlen Substanzen Gold herzustellen. Aber genau bei diesem Teilgebiet der Alchimie wollen wir heute ein Weilchen bleiben, wenn wir auch das ganze umgekehrt betrachten. 

Wie das?
In einem Zeitungsartikel wurde kürzlich darüber berichtet, was man mit Gold so alles anstellen kann, wenn man es als Heilmittel einsetzt. Gut, wir Heilpraktiker machen das schon seit langer Zeit und verwenden homöopathisiertes Gold zur Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden. 

Das hat jetzt aber nicht wirklich viel mit der umgekehrten Alchemie zu tun. Nein, denn in diesem Bereich wird Gold ganz anders verwendet. Angefangen hat es möglicherweise mit dem Danziger Goldwasser, einer Spirituosenspezialität, in der kleine Goldplättchen schwammen. Schüttelte man die Flasche, so gerieten die Blattgoldplättchen in Bewegung ähnlich wie bei einer Schneekugel. Dieser Gewürzlikör ist schon sehr alt, die Herstellerfirma wurde 1598 gegründet. Angeblich sollte das Trinken dieses Gewürzlikörs gegen allerlei Krankheiten helfen. Die Gicht stand um 1950 sogar in der „Indikationsliste“. 

Heute weiß man natürlich, dass die allgemein als Gicht bezeichnete Krankheit von zu viel Harnsäure im Blut ausgelöst wird und das bedeutet wiederum, dass der Genuss von Alkohol die Krankheit eher verschlechtert als verbessert. Geht‘s denn nicht auch ohne Alkohol?
Aber freilich. Die Firma Citizen bietet Goldpillen an – drei Stück für 425 Dollar. Und zu welchem Zweck? Nun, der bleibt weitgehend verborgen, es handelt sich um einen neuen Hollywood Hype. So mancher Alchemist würde weinen, wenn er den Weg seines geliebten Goldes Darmabwärts beobachten würde.

Auch Paracelsus war ja als Alchemist bekannt und über seinen frühen Tod im Alter von nur 47 Jahren wurde viel spekuliert. Man meinte wohl, es könne mit dem übermäßigen Alkoholkonsum zusammenhängen und dass er vielleicht deswegen an Leberkrebs gestorben sei. Das Goldwasser allerdings wurde erst lange nach seinem Tod erfunden.
Hat er die Citizen-Pills denn vorausgeahnt? In seinem Wappen hat sich ein goldener Balken mit drei roten Punkten befunden! Nein, das trifft wohl alles nicht zu. Wikipedia führt es genauer aus: Moderne gerichtsmedizinische Untersuchungen haben indes in seinen Gebeinen eine bis zu hundertfach erhöhte Konzentration an unlöslichem Quecksilber festgestellt. Außerdem konnten Spuren einer eitrigen Entzündung im Bereich des Mittelohrs (ein Bezold-Abszess) nachgewiesen werden. Als wahrscheinlich wird deshalb angesehen, dass Paracelsus einer Quecksilbervergiftung erlag.

Nun denn, vielleicht verzehren manche Menschen diese Pillen auch nur um zu beweisen, dass sie im wahrsten Sinn des Wortes stinkreich sind…… 

Dieter Grabow

Quellen:

 
 

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