Gehirnerschütterung - Neue Forschungsergebnisse

Frau Jerzy/pixelio.de
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Lange glaubte man, eine Gehirnerschütterung bliebe langfristig ohne Folgen und die traumatisierten Regionen würden sich von selbst regenerieren. Dass dem nicht so ist, wiesen Forscher an der New Yorker Rochester-Klinik nach.
Makaber scheint in diesem Zusammenhang die Auswahl des „Forschungsmaterials“, denn die größte Fülle von Informationen erhielten die Wissenschaftler von Soldaten und Boxern. Bei letzterer Berufsgruppe gibt es das Beispiel des Muhammad Ali, vormals Cassius Clay, der im Alter schwer an Parkinson erkrankte. Das wurde von den Ärzten auf die wiederholte Traumatisierung des Gehirnes zurückgeführt.
Doch es scheint, als wären nicht nur Polytraumata ursächlich für spätere Schädigungen. Langzeituntersuchungen erweisen, dass auch bei Schädel-Hirn-Traumata nach Autounfällen und einer nicht ausreichenden Regeneration Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Erinnerungslücken, Koordinationsprobleme und Schwindel sehr häufige Folgen sind.
Jeffrey Bazarian, Neurologe an der New Yorker Rochester-Klinik, beschreibt die auftretenden Störungen bildhaft: „Ein Neuron ist wie eine lange dünne Spaghettinudel mit dem Zellkörper an einem Ende. Das macht sie für Dehnungen sehr empfindlich.“ Bei einem Schlag rotiert der Kopf um seine Achse im Nacken und mit ihm das Gehirn im Schädel. Dabei, so Bazarian, würden diese Spaghetti-Fasern gedehnt. Damit wird auch klar, dass die größte Belastung auf dem Gewebe liegt, dass am weitesten von der Drehachse entfernt ist, dem Frontallappen.

Vor dort gehen auch die typischen Symptome einer Gehirnerschütterung aus, die ich oben aufgelistet habe. Sie dauern meist nur einige Tage, manchmal aber auch Wochen und Monate. Die Dehnung der Nervenfaser reißt Natrium- und Kalziumporen der Membran auf, die beim Weiterleiten der elektrischen Potentiale wichtig sind. Wenn dann unkontrolliert Ionen in die Zelle fließen, muss sie die aufwändige Arbeit von Ionenpumpen wieder nach außen schaffen. Deswegen folgt auf die Phase von überaktiven Nervenzellen eine Phase mit spürbarer Erschöpfung, die meist mehrere Tage anhält.

Auch Zerstörungen des inneren Gerüsts der Nervenzellen seien möglich, so berichten die Forscher. Besonders gefährdet sind in diesem Zusammenhang Sportler, weil sich nach der ersten Commotio häufig binnen kurzer Zeit eine weitere ereignet. Somit sollte diese nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Eine hinreichende Diagnostik ist durchaus notwendig. Und darüber hinaus sollte eine Commotio auch medikamentös therapiert werden. Dabei ist natürlich zunächst an Arnica zu denken, aber auch Hypericum sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Manche Forscher empfehlen Chitosan, in Amerika wird derzeit an Gamma-Sekretase-Inhibitoren geforscht. Aber das wichtigste Detail in der Therapie wird meistens vergessen: die Ruhe. Eine Gehirnerschütterung sollte durchaus ein bis zwei Wochen – je nach Schwere – auskuriert werden.

Dieter Grabow

 

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