Acetylsalicylsäure als neues Krebsmedikament?

Das Medikament ist sehr bekannt als Schmerzmittel und hat auch in der Prävention bei Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko seinen therapeutischen Platz gefunden.

Nun scheint es fast so, als wäre für das Medikament, das ursprünglich aus der Weidenrinde hergestellt, inzwischen aber synthetisch „nachgebaut“ wird, ein neues Indikationsgebiet entdeckt worden. Das jedenfalls belegen Untersuchungen, die die Forscher um Peter Rothwell von der Universität Oxford durchgeführt und in der Zeitschrift Lancet oncology veröffentlicht haben.

Die Forscher haben eine Metaanalyse von 51 Studien durchgeführt und konnten belegen, dass Patienten, welche eine niedrig dosierte ASS-Therapie zur Gerinnungshemmung bekommen, gegenüber Patienten, welche kein ASS erhalten, eine 15 % niedrigere Krebssterblichkeit haben. Ab dreijähriger Einnahme steigert sich diese positive Rate auf 25 %, ab fünfjähriger Einnahme sogar auf 37 %.

In einer zweiten und dritten Studie zeigte sich, dass die Einnahme von ASS wohl auch eine positive Wirkung auf die Bildung von Metastasen hat sowie bei seltenen Krebsarten wirkt.

Wird also ASS bald zur Medizin unseres Lebens?
Andrew Chan und Nancy Cook der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts benennen die Grenzen der Untersuchung dahingehend, dass die herangezogenen Studien in der Metaanalyse in erster Linie auf die Untersuchung des kardiovaskulären Risikos abzielten und keine Screeninguntersuchungen zu Krebs beinhalteten. Die Forscher plädieren dafür, die Vor- und Nachteile einer ASS-Therapie nicht aus den Augen zu verlieren. Auch weisen sie darauf hin, dass sich die prophylaktische Therapie für Menschen ohne erhöhtes Krebsrisiko nicht eignet. Somit wird vor einer Selbstmedikation gewarnt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in den Untersuchungen immer von niedrig dosiertem ASS gesprochen wird, die Höchstdosen lagen bei 75 mg pro Tag. Hierzulande liegt die Standarddosis bei 100 mg und mehr. Phytotherapeuten beklagen diese Verfahrensweise schon lange und weisen darauf hin, dass ASS seine volle Wirksamkeit bereits bei 50 mg pro Tag entfaltet und höhere Dosen keinen weiteren Nutzen, sondern nur mehr Nebenwirkungen bringen.

Es wird interessant, was dabei heraus kommt, wenn die Leitlinien neu überarbeitet werden!

Dieter Grabow


Quellen:
Lancet oncology
Physician’s Health Study
Women’s Health Study

 
 

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